WeltRisikoBericht


Wie hängt das Katastrophenrisiko eines Landes mit der gesellschaftlichen Situation zusammen? Welchen Einfluss haben Faktoren wie Regierungsführung, Qualität des öffentlichen Gesundheitssystems, Umweltsituation und Bildungsniveau auf die Gefährdung eines Landes durch Naturkatastrophen?

Der WeltRisikoBericht versucht, Antworten auf diese Fragen zu geben. Der WeltRisikoBericht enthält den vom Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen erstellten WeltRisikoIndex. Der Index gibt für 171 Länder weltweit das Risiko an, Opfer einer Katastrophe in Folge von extremen Naturereignissen zu werden.


Logistik und Infrastruktur

Schwerpunktthema WeltRisikoBericht 2016

Marode Verkehrswege, unsichere Stromnetze, baufällige Gebäude: Bei extremen Naturereignissen können fragile Infrastrukturen schwerwiegende Folgen haben. Denn sie stellen eine direkte Gefahr für die Bevölkerung dar. Sie verzögern zudem die effektive Selbsthilfe der Betroffenen und behindern humanitäre Hilfe der lokalen Autoritäten oder aus dem Ausland. Die Schwierigkeiten bei Hilfslieferungen liegen meist auf der „letzten Meile“ der Logistikkette: den Transport trotz zerstörter Straßen oder Brücken zu organisieren und bei Knappheit von zum Beispiel Wasser, Essen und Obdach eine gerechte Verteilung zu gewährleisten.
Informationstechnologien wie Internet oder Mobiltelefone, aber auch neuere Instrumente wie Drohnen oder 3 D-Drucker können die humanitäre Logistik dabei unterstützen – wenn sie nicht selbst durch den Zusammenbruch der Stromversorgung gestört sind. Unabhängig von technischen Lösungen bleiben jedoch viele Herausforderungen bestehen: etwa die Stärkung der Selbsthilfe, die Koordination zwischen beteiligten Akteuren, die Nutzung lokaler Ressourcen sowie die kontrovers diskutierte Zusammenarbeit mit Privatwirtschaft und Militär.

Expertinnen und Experten zum Thema Logistik und Infrastruktur

Humanitäre Logistik bis zur “letzten Meile”

Grafik in 3 Schritten

Themenübersicht 2011 – 2015


Ernährungssicherheit und Risikobewertung

Katastrophen können verheerende Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in einem Land haben – nicht nur kurzfristig, sondern auch noch lange nach ihrem Eintreten. Sie zerstören Ernten, Vorräte und Transportwege und damit vor allem die Lebensgrundlage derjenigen, die von der Landwirtschaft abhängig sind. Doch auch der umgekehrte Zusammenhang besteht: Extreme Naturereignisse werden nicht selten deshalb zu Katastrophen, weil die betroffene Bevölkerung durch eine schlechte Ernährungssituation besonders verwundbar ist. Im schlimmsten Fall führt die Verflechtung von Katastrophen und Ernährungsunsicherheit zu einer fatalen Abwärtsspirale, in der die betroffenen Menschen von einer Krise in die nächste geraten. In einer Welt ohne Hunger würde es somit auch weniger Katastrophen geben.

Urbanisierung – Trends und Risikobewertung

Urbanisierung ist einer der Mega-Trends unserer Zeit – und als solcher mit einer ungeheuren Vielschichtigkeit verbunden. Während in den Industrieländern unter der Zugkraft der Städte vor allem die ländlichen Regionen leiden, stellt ein massives urbanes Bevölkerungswachstum die Metropolen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern vor große Herausforderungen. Denn nicht selten wächst eine Stadt schneller als die Behörden mit geeigneten Anpassungsmaßnahmen auf das Wachstum reagieren können. Die Folge: Slums entstehen, in denen die Bewohner als Städter ohne Bürgerrechte leben und um schlecht bezahlte Arbeitsplätze und ein knappes Nahrungsangebot konkurrieren. Sie sind besonders verwundbar gegenüber Naturgefahren. Aber Urbanisierung wirkt sich nicht ausschließlich negativ auf die Verwundbarkeit aus, sie kann auch neue Möglichkeiten für die Stärkung der Bewältigung und Anpassung schaffen. Anlässlich des Schwerpunktthemas Risikoraum Stadt weist der WeltRisikoBericht 2014 das Katastrophenrisiko auch gesondert für urbane Räume aus.

Risiko bewerten, Verwundbarkeit verringern

Egal ob Dürre, Wirbelsturm, Erdbeben oder Überschwemmung: Wenn ein extremes Naturereignis ein Dorf oder eine Stadt trifft, hängt die Verwundbarkeit der Gesellschaft maßgeblich vom Gesundheitszustand der Bevölkerung und von der medizinischen Versorgung und ihrer Funktion in Krisen- und Katastrophensituationen ab. Doch in Zeiten der globalen Finanzkrise werden die Gesundheitssysteme weltweit noch stärker ökonomischen Prinzipien unterworfen. Unter den Spar- und Privatisierungsmaßnahmen leiden besonders oft Menschen mit einer ohnehin schon inakzeptablen Vulnerabilität gegenüber Naturgefahren. Andersherum können extreme Naturereignisse direkte gesundheitliche Probleme wie Herz- und Kreislaufprobleme verursachen und zu einer Zunahme und Ausbreitung von Krankheitsüberträgern beitragen. Ein umfassender Ansatz zur Stärkung der Gesundheitssysteme und -versorgung im Rahmen der globalen Nachhaltigkeitsagenda ist daher sowohl zur Katastrophenprävention, als auch Bewältigung unabdingbar.

Katastrophenrisiko, Umweltzerstörung und globale Nachhaltigkeitspolitik

Katastrophen können beträchtliche Auswirkungen auf die Umwelt haben und Schäden für Ökosysteme verursachen. So können Wirbelstürme tausende Bäume entreißen und Korallenriffe zerstören, oder Überschwemmungen zu Erosionsprozessen beitragen und den Oberboden schädigen. Auf der anderen Seite erhöht die Zerstörung der Umwelt und ihrer natürlichen Schutzfunktionen, durchgeführt vor allem aufgrund von wirtschaftlichen Interessen, das Risiko von Katastrophen infolge extremer Naturereignisse. Überflutete Küstendörfer und weggespülte Strände, deren natürlicher Schutzgürtel aus Mangroven abgeholzt wurde, sind nur einzelne Beispiele unter vielen. Nach wie vor finden die Wechselwirkungen zwischen Umweltzerstörung und Katastrophen noch zu wenig Beachtung in Politik und Wissenschaft. Umweltschutz sowie ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt sollten von der lokalen bis zur globalen Ebene gestärkt werden und aktiv in die Katastrophenvorsorge eingebunden werden.

Der WeltRisikoBericht

Der Mensch kann nur bedingt beeinflussen ob und mit welcher Intensität extreme Naturereignisse auftreten. Mit ihrer Regierungsführung in der Katastrophenvorsorge und Katastrophenbewältigung können Staaten jedoch das Ausmaß einer Katastrophe maßgeblich beeinflussen. Insbesondere Staaten mit einer schwachen Regierungsführung sind häufig nicht in der Lage konsequente Strategien und Maßnahmen umzusetzen und Mechanismen in Stand zu halten, um das Katastrophenrisiko zu reduzieren. Die Verwundbarkeit der Bevölkerung gegenüber extremen Naturereignissen ist entsprechend groß. In der komplexen Wechselbeziehung zwischen Regierungsführung und Katastrophen kann die Zivilgesellschaft Einflussmöglichkeiten ausüben, indem sie zum Beispiel verantwortungsbewusstes und effektives staatliches Handeln einfordert und Initiativen zur Reduzierung des Katastrophenrisikos umsetzt.

 

WeltRisikoIndex

2016

Die Natur lässt sich nicht beherrschen. Ob und mit welcher Intensität Naturereignisse auftreten, kann der Mensch nur bedingt beeinflussen. Doch er kann Vorbereitungen treffen, die dazu beitragen, dass aus einem Naturereignis keine Katastrophe wird. Es ist diese Verwundbarkeit (Vulnerabilität) einer Gesellschaft, auf deren Basis der WeltRisikoIndex durch eine Multiplikation mit der Exposition gegenüber Naturgefahren (Wirbelstürme, Dürren, Erdbeben, Überschwemmungen und Meeresspiegelanstieg) für 171 Länder das Katastrophenrisiko berechnet.
Der WeltRisikoIndex 2016 zeigt, dass die globalen Hotspots eines hohen Katastrophenrisikos in Ozeanien, Südostasien, Zentralamerika und im südlichen Sahel liegen. So sind Länder wie die Salomonen (Rang 6), Papua-Neuguinea (Rang 10) und Guinea-Bissau (Rang 15) zugleich sehr stark exponiert gegenüber Naturgefahren und aufgrund ihrer schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation besonders verwundbar. Wie eine niedrige Verwundbarkeit das Katastrophenrisiko senken kann, zeigt das Beispiel Australiens. Seine hohe Exposition, vor allem bedingt durch Dürre, Erdbeben und Meeresspiegelanstieg, mildert das Land durch seine sehr geringe Verwundbarkeit und erreicht so Rang 121 von 171 im WeltRisikoIndex. Dass eine geringe Verwundbarkeit eine extreme Gefährdung allerdings nicht vollkommen ausgleichen kann, lässt sich am Beispiel Japans erkennen. Trotz seiner sehr niedrigen Verwundbarkeit liegt das Land aufgrund seiner sehr hohen Exposition, vor allem gegenüber Erdbeben und Überschwemmungen, im WeltRisikoIndex auf Platz 17. In Ländern wie Liberia (Rang 56), Sambia (Rang 66) und der Zentralafrikanischen Republik (Rang 71) verhält es sich umgekehrt wie in Japan. Sie sind eher schwach durch Naturgefahren gefährdet, aber sehr verwundbar. Insgesamt liegen 13 der 15 Länder mit der höchsten Vulnerabilität auf dem afrikanischen Kontinent. In diesen Ländern gilt besonders: Entwicklung hilft.

Weltkarte des Risikos

2016

  • sehr gering
    0,08 - 3,46
  • gering
    3,47 - 5,46
  • mittel
    5,47 - 7,30
  • hoch
    7,31 - 10,39
  • sehr hoch
    10,40 - 36,72
  • keine Daten

Berechnung des Risikos

2016

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